Asynchrone Entwicklung bei Hochbegabung – Was heißt das eigentlich?

 

Wenn dein Kind hochbegabt ist, wirst du aller Wahrscheinlichkeit nach irgendwann mit dem Begriff der „asynchronen Entwicklung“ konfrontiert werden. Aber was heißt das überhaupt und wieso geht es dich und dein Kind an?

Per Definition ist die asynchrone Entwicklung eine „nicht parallel laufende Entwicklung begabter Kinder auf intellektueller Ebene im Gegensatz zur körperlich emotionalen Ebene“ ¹, das heißt, dass die intellektuelle Entwicklung deines Kindes einfach schneller verläuft als die emotionale und die motorische.

Ganz einfach formuliert: Dein Kind ist im kognitiven Bereich sehr weit entwickelt. Vielleicht spricht es im Vorschulalter schon wie ein Viertklässler, schreibt dir kleine Briefchen, interessiert sich für das Sonnensystem oder kann dir die Schaltung deines Fahrrades besser erklären, als du es könntest, oder, oder, oder. Emotional gesehen verhält sich dein Kind aber seinem Alter entsprechend. Es mag nicht alleine einschlafen, es hat Angst vor dem Monster unter dem Bett, es steht Verlustängste durch, es wird knatschig, wenn es müde wird oder auch mal bockig, wenn es seinen Willen nicht bekommt.

Das Verhalten deines Kindes im emotionalen Bereich kann also in einem wirklich krassen Gegensatz zu seiner kognitiven Entwicklung stehen ( Das führt häufig zu Diskussionen und Problemen, wenn eine vorzeitige Einschulung ansteht: Das Kind geht im Kindergarten unter, ist kognitiv absolut schulreif und muss „gefordert“ werden, im emotionalen Bereich reagiert es aber wie ein Kindergartenkind, ist vielleicht schüchtern und anhänglich und soll von Seiten der Erzieher doch lieber noch ein Jahr im Kindergarten bleiben…).

Zeigt uns unser vierjähriges Kind die intellektuellen Fähigkeiten eines 8 jährigen, so erwarten wir teilweise ganz unbewusst, dass es sich auch emotional so verhält und reagieren irritiert, wenn dem nicht so ist, obwohl wir es ja eigentlich besser wissen müssten. Das vierjährige Kind mag schon sehr viel verstehen und extrem komplex denken, doch ist es einfach auch noch nicht „so lange auf der Welt“, muss Neues erst noch einordnen, hat bestimmte Ereignisse noch nie erlebt. Es ist wichtig, dass wir uns bei der Vermeidung einer intellektuellen Unterforderung immer wieder auch das tatsächliche Alter unserer hochbegabten Kinder vor Augen führen, damit wir sie nicht auf psychischer Ebene überfordern.

Auf der körperlichen Ebene ist mit der asynchronen Entwicklung gemeint, dass dein Kind beispielsweise beim Malen eine ganz genaue Idee von seinem Bild hat, motorisch aber noch überhaupt nicht in der Lage ist, seinen Vorstellungen gerecht zu werden. Viele hochbegabte Kinder verweigern dann phasenweise ganz zu malen, weil sie mitunter einen ausgeprägten Perfektionismus haben und sehr frustriert über ihre, ihrer Ansicht nach, motorischen Unzulänglichkeiten sind.

 

Welche Erfahrungen hast du zum Thema „asynchrone Entwicklung“ gemacht, vielleicht auch speziell im Hinblick auf Schule und Kindergarten?

Ich freue mich über eure Erfahrungen, Meinungen, oder auch Tipps zum Thema. Nutzt einfach die Kommentarfunktion!:)

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¹gefunden bei www.bildung-und-begabung.de

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