Warum eigentlich testen?

pusteblume

Im Grunde genommen ist es uns Eltern doch völlig egal, welchen IQ Wert unser Kind erreicht, das ist ja nur eine Zahl. Hauptsache ist, es ist glücklich. Warum also überhaupt testen?

Ganz übertrieben könnte man sagen, wer sein Kind gut kennt und genau beobachtet, braucht keinen Test um eine Hochbegabung festzustellen. Wie gesagt, überspitzt formuliert. Nicht selten fehlt aber das Wissen über Hochbegabung oder die Eltern trauen sich gar nicht, ihre Vermutung, ihr Kind könne vielleicht hochbegabt sein, auszusprechen, geschweige denn ihr nachzugehen. Noch immer findet das Thema Hochbegabung in unserer Gesellschaft wenig Akzeptanz und nicht selten wird Eltern unterstellt, sie würden ihr Kind auf Erfolg „drillen“ o.ä.

Und so eindeutig ist eine Hochbegabung nicht immer. Wir stellen vielleicht fest, dass unser Kind irgendwie anders ist als die meisten anderen Kinder die wir kennen, haben aber vielleicht nur ein Kind und daher wenig Vergleich. Darüber hinaus zeigen ja auch nicht alle hochbegabten Kinder andauernd ihr volles Potenzial und fallen eventuell erst auf, wenn sie Verhaltensstörungen als Folge ständiger Unterforderung entwickeln.

Wir kennen unser Kind, wir wissen, welches Futter es braucht, wir stehen hinter ihm und bieten ihm im besten Falle zu Hause vielfältige Möglichkeiten, gefordert zu sein. Kommt das Kind dann aber beispeilsweise in einen eher „altmodischen“ Kindergarten, indem man die Spiele noch nach Altersgruppen austeilt (Frei nach dem Motto: Du musst das Holpuzzle mit 10 Teilen nehmen, du bist erst 3! / Nein, und nicht das Uno-Spiel! / Buchstaben lernen wir hier nicht! / etc.pp), erkennen wir es manchmal kaum wieder. Das eine wird aggressiv und auffällig, das nächste traurig, um verkürzt nur zwei mögliche Folgen zu nennen. Die Erzieherinnen beschweren sich darüber, dass das Kind nicht mit Gleichaltrigen ins Spiel kommt oder sich bei Kreisspielen verweigert ( kann sein, dass dein Kind dir zuhause erzählt, dass ihm diese Spiele einfach zu doof sind…) und können sich keinen Reim auf das gezeigte Verhalten machen. Es gibt Probleme.

Selbst wenn du an dieser Stelle noch nicht soweit bist, dass du denkst, ein Test könnte hilfreich sein und Erklärungen liefern oder einfach noch gar nicht die Notwendigkeit siehst, so ändert sich dein Blickwinkel eventuell sobald dein Kind in die Schule kommt.

Es freut sich auf die Schule und hofft, etwas Neues zu erfahren, gefordert zu werden. Doch vielleicht erlebt es schon nach kurzer Zeit Frustration, weil es häufig schon große Teile des Anfangsstoffes beherrschen und weil sein Lerntempo und die schnelle Auffassungsgabe nicht mit der allgemeinen Unterrichtsstaktung überein kommen. Manchen Kinder verweigern die Erledigung ihrer Aufgaben völlig, wenn sie eine anhaltende Unterforderung erleben und es kommt zu massiven Problemen in der Schule oder dein Kind verweigert den Schulbesuch eventuell völlig.

Lange Rede, kurzer Sinn:

Es gibt viele Hinweise, die auf eine Hochbegabung schließen lassen, „ein weitgehend objektiver Nachweis der Hochbegabung kann nur durch einen Intelligenztest bei einem Psychologen erfolgen, der Erfahrung mit hochbegabten Kindern hat“. Intelligenztests sind dabei sozusagen „Werkzeuge“zur Diagnose von Hochbegabung. Darüber hinaus sind für erfahrene Psychologen auch das Vorgespräch und die Beobachtung des Verhaltens des Kindes während des Tests aussagekräftig und wichtig.

Ein Test als „formale Beurteilung“ kann uns wichtige Informationen liefern und helfen, Situationen zu verstehen und zu klären, zum einen in der Familie, zum anderen aber auch im Gespräch mit Kindergarten und Schule. Eine Hochbegabung lässt sich festellen, gleichzeitig wird deutlich, in welchen Bereichen die Stärken und eventuellen Schwächen deines Kindes liegen und es kann diesen entsprechend adäquat gefördert werden.

Der DGhK fasst das gut zusammen: Intelligenztests scheinen uns erforderlich, wenn Sie gegenüber Kindergarten oder Schule (oder auch sich selbst gegenüber) einen Nachweis brauchen oder wenn Sie selber wissen möchten, auf welchen Gebieten die Begabung besonders hoch ist.

Und um nochmal an meine Gedanken vom Anfang anzuknüpfen: Unsere Kinder sind viel mehr als ihr IQ, viel viel mehr als nur eine Zahl, aber mit dem Wissen um ihre Begabungen können wir sie in ihrer Entwicklung unterstützen. Wir wollen sie stark machen, damit sie glücklich und zufrieden aufwachsen können.

 

 

Wie sind eure Erfahrungen, warum habt ihr eure Kinder testen lassen und inwieweit hat euch der Test geholfen?

 

 

3 Kommentare zu “Warum eigentlich testen?

  1. Uns hat der Test auch irrsinnig geholfen! Dadurch, dass wir wussten, dass unser Sohn „anders“ ist, konnten wir, gemeinsam mit dem Kindergarten, daran arbeiten, ihn in seinen sozialen Schwächen zu fördern und waren besser darauf vorbereitet, eine geeignete Schule zu suchen.

  2. Bereits mit 2 Jahren hat uns der Kinderarzt darauf hingewiesen, dass unser Sohn „sehr weit ist für sein Alter“ und dass wir es gemeinsam beobachten. Spätestens wenn er zur Schule geht, könnte es spannend werden. Auch Freunde haben uns früh angesprochen, wir hatten ebenfalls keinen Vergleich, weil er das erste Kind war. Bis zur Schule lief aber alles ganz gut, zu Hause kannten wir ihn ja nur so, im letzten Kindergartenjahr hatte ich schon den Eindruck, dass er sich gelangweilt hat, aber es war nie richtig schlimm. Er wollte zwar nicht hin, aber wenn er da war, war er zufrieden mit seinen Freunden. Wir hätten ihn dann auch ein Jahr eher einschulen können, haben aber sofort gesagt, dass wir das nicht möchten, weil er dann gerade erst 5 gewesen wäre und mit dem damals noch kürzen Schulsystem wollten wir es vermeiden, dass er im schlimmsten Fall mit 16 schon mit der Schule fertig ist. Als er dann eingeschult wurde, habe ich auch die Lehrerin nicht eingeweiht, ich wollte, dass sie ein objektives Bild von ihm hat. Sie hat dann schnell gemerkt, dass er schon lesen und schreiben kann. In Mathe lief es total schlecht, aber wie wir jetzt wissen, weil er sich verweigert hat, weil es ihm schlichtweg zu einfach war. Die Lehrerin machte dann immer Eintragungen, er sei unkonzentriert. Und daraufhin hat uns der Kinderarzt an eine psychologische Praxis verwiesen, wo mein Sohn dann auch angetestet wurde. Da wir nur wissen wollten, hat er wirklich ein Konzenrationsproblem, oder ist er unterfordert, haben wir nur 2/3 des Tests gemacht und schon damit stellte sich ein IQ von 122 heraus. Das reichte uns. Und nach mehreren Gesprächen mit der Praxis und auch zusammen mit der Lehrerin, läuft es jetzt Mitte der zweiten Klasse eigentlich richtig gut. Alle Lehrer wissen was Sache ist und wir stehen immer in engem Kontakt mit Ihnen.
    Sollte ich etwas vergessen haben oder etwas unklar ausgedrückt haben….einfach melden. Unser zweiter Sohn ist jetzt übrigens 4 Jahre alt und hat sich bisher glaube ich ganz „normal“entwickelt. So langsam bin ich mir da aber nicht mehr sicher…..ich kann es aber so gar nicht zuordnen, das war beim Großen einfacher und schneller klar…man ist ja schon etwas paranoid! Liebe Grüße, Judith

  3. Ach ja, ich habe das Wesentliche vergessen: ob die Termine in der Praxis unserem Sohn etwas gebracht haben, weiß ich nicht. MIR haben sie aber definitiv etwas gebracht: ich weiß jetzt,wie mein Sohn in machen Situationen tickt und warum! Zum Beispiel die Situationen mit Mathe in der 1. Klasse: da könnte er bis zu 1 Stunde davor sitzen und nichts zu Papier bringen, oder lasse nur falsch. So dass ich dachte: ok, Mathe ist definitiv nichts Seins…….gibt es ja auch. Aber flötepiepen……es war einfach nur zu leicht für ihn. Inzwischen ist er im Kopfrechnen schneller als seine Lehrerin und erledigt die Hausaufgaben in weniger als 5 Minuten! Und ich weiß inzwischen, dass trotzdem er so viel kann, leben muss zu lernen! Wenn er etwas kann, braucht man es nicht wiederholen, aber gibt es mal Sachen, die er nicht sofort kann, verliert er die Lust. Deshalb üben wir trotzdem auch gegen seinen Protest regelmäßig Diktate oder Matheaufgaben, damit er sich als lernen gewöhnt. Denn in höheren Klassen wird es definitiv Themen geben, für die er lernen muss.

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